Liebe Besucher*innen der Gessnerallee, liebe Künstler*innen
Vom 5. bis 8. Februar zeigen wir an der Gessnerallee «Raskrsnice» (serbisch: Kreuzungen) von Kursk – ein dokumentarisches Theaterstück über Ausbeutung und Arbeitskämpfe im grenzenlosen Kapitalismus.
In Zusammenarbeit mit indischen Gastarbeiter*innen auf einer chinesischen Baustelle in Serbien zeigt «Raskrsnice», wie solidarische Kämpfe von Grosskonzernen verhindert werden, da die Konzerne sich oft jenseits nationaler rechtlicher Zuständigkeiten bewegen. Und wie solche solidarischen Kämpfe in Kooperation mit lokalen Gewerkschaften, NGOs und engagierten Bürger*innen doch noch gelingen können. Kurz vor der Premiere haben wir Timo Krstin, der Teil der Performancegruppe Kursk ist, drei Fragen zum Stück gestellt.
Gessnerallee: Mit deiner Performancegruppe Kursk schreibst, inszenierst und spielst du Stücke, die sich oft mit Geschichte und Gegenwart der Arbeiterklasse befassen. Was hat euch dazu bewegt, «Raskrsnice» zu machen – und warum gerade die Geschichten von indischen Arbeiter*innen auf einer Baustelle in Serbien?
Timo Krstin: «Raskrnice» ist der letzte Teil einer Trilogie über Wanderarbeit und Arbeitskämpfe in Europa mit Fokus auf die Balkanregion. Bei den Recherchen sind wir in Serbien immer wieder an einer riesigen, fast militärisch abgeriegelten Baustelle vorbeigefahren. Auf dieser Baustelle wurden Arbeiter*innen aus Vietnam, Indien und weiteren Ländern entdeckt, die der chinesische Mutterkonzern dort unter katastrophalen Bedingungen festhielt. Für uns war klar, dass wir Zeug*innen der modernsten Formen von Ausbeutung und Wanderarbeit wurden. Diese Geschichte mussten wir natürlich erzählen.
Wie habt ihr den Prozess der Zusammenarbeit mit den realen Arbeiter*innen und dem Zrenjaninski Socijalni Forum (ZSF) – eine serbische NGO zur Stärkung von Gewerkschaftsarbeit, welche die Arbeiter*innen von Linglong beim Kampf um ihre Rechte unterstützt – gestaltet? Welche Herausforderungen gab es dabei?
Eine grosse Herausforderung für alle Beteiligten waren die Sprachbarrieren. Viele Arbeiter*innen sprechen nur Vietnamesisch oder Indisch, die Kolleg*innen vom ZSF zum Teil nur Serbisch, wir von der Kursk radebrechen auf Serbisch und Englisch. Die Probleme, die sich daraus für die Stückentwicklung ergeben, sind dieselben, vor denen die Gewerkschafter*innen beim Arbeitskampf stehen: Wie soll man sich unter solchen Bedingungen organisieren? Das ist wahrscheinlich die zentrale Frage im globalen Kapitalismus.
Das Stück thematisiert Solidarität über Grenzen hinweg. Was soll das Publikum aus dieser Arbeit mitnehmen – besonders in einer Zeit globaler Ungleichheit?
Das ist einfach: If you tolerate this then your children will be next.
Neben Kursk freuen wir uns Ende Januar auch schon sehr auf «Wen Keng We Meet? – On Connection» von RRRRRR Collective. Das Kollektiv ist eine von vier Gruppen, die im Open Studio von Dimitri de Perrot erforschen, wie sich Klang inszenieren lässt. Es sind alle Vorstellungen ausverkauft. Wenige Restkarten sind jeweils an der Abendkasse erhältlich.