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Wochenbrief

Grenzenloser Kapitalismus, grenzüberschreitende Kämpfe

Wer profitiert – und wer zahlt den Preis? Ein dokumentarisches Theater und die Frage nach Solidarität über Grenzen hinweg. Wochenbrief #65

Team Gessnerallee, 21. Januar 2026

Copyright: Timo Krstin

Liebe Besucher*innen der Gessnerallee, liebe Künstler*innen

Vom 5. bis 8. Februar zeigen wir an der Gessnerallee «Raskrsnice» (serbisch: Kreuzungen) von Kursk – ein dokumentarisches Theaterstück über Ausbeutung und Arbeitskämpfe im grenzenlosen Kapitalismus.

In Zusammenarbeit mit indischen Gastarbeiter*innen auf einer chinesischen Baustelle in Serbien zeigt «Raskrsnice», wie solidarische Kämpfe von Grosskonzernen verhindert werden, da die Konzerne sich oft jenseits nationaler rechtlicher Zuständigkeiten bewegen. Und wie solche solidarischen Kämpfe in Kooperation mit lokalen Gewerkschaften, NGOs und engagierten Bürger*innen doch noch gelingen können. Kurz vor der Premiere haben wir Timo Krstin, der Teil der Performancegruppe Kursk ist, drei Fragen zum Stück gestellt.

Gessnerallee: Mit deiner Performancegruppe Kursk schreibst, inszenierst und spielst du Stücke, die sich oft mit Geschichte und Gegenwart der Arbeiterklasse befassen. Was hat euch dazu bewegt, «Raskrsnice» zu machen – und warum gerade die Geschichten von indischen Arbeiter*innen auf einer Baustelle in Serbien?

Timo Krstin: «Raskrnice» ist der letzte Teil einer Trilogie über Wanderarbeit und Arbeitskämpfe in Europa mit Fokus auf die Balkanregion. Bei den Recherchen sind wir in Serbien immer wieder an einer riesigen, fast militärisch abgeriegelten Baustelle vorbeigefahren. Auf dieser Baustelle wurden Arbeiter*innen aus Vietnam, Indien und weiteren Ländern entdeckt, die der chinesische Mutterkonzern dort unter katastrophalen Bedingungen festhielt. Für uns war klar, dass wir Zeug*innen der modernsten Formen von Ausbeutung und Wanderarbeit wurden. Diese Geschichte mussten wir natürlich erzählen.

Wie habt ihr den Prozess der Zusammenarbeit mit den realen Arbeiter*innen und dem Zrenjaninski Socijalni Forum (ZSF) – eine serbische NGO zur Stärkung von Gewerkschaftsarbeit, welche die Arbeiter*innen von Linglong beim Kampf um ihre Rechte unterstützt – gestaltet? Welche Herausforderungen gab es dabei?

Eine grosse Herausforderung für alle Beteiligten waren die Sprachbarrieren. Viele Arbeiter*innen sprechen nur Vietnamesisch oder Indisch, die Kolleg*innen vom ZSF zum Teil nur Serbisch, wir von der Kursk radebrechen auf Serbisch und Englisch. Die Probleme, die sich daraus für die Stückentwicklung ergeben, sind dieselben, vor denen die Gewerkschafter*innen beim Arbeitskampf stehen: Wie soll man sich unter solchen Bedingungen organisieren? Das ist wahrscheinlich die zentrale Frage im globalen Kapitalismus.

Das Stück thematisiert Solidarität über Grenzen hinweg. Was soll das Publikum aus dieser Arbeit mitnehmen – besonders in einer Zeit globaler Ungleichheit?

Das ist einfach: If you tolerate this then your children will be next.

Neben Kursk freuen wir uns Ende Januar auch schon sehr auf «Wen Keng We Meet? – On Connection» von RRRRRR Collective. Das Kollektiv ist eine von vier Gruppen, die im Open Studio von Dimitri de Perrot erforschen, wie sich Klang inszenieren lässt. Es sind alle Vorstellungen ausverkauft. Wenige Restkarten sind jeweils an der Abendkasse erhältlich.

Copyright: RRRRRR Collective

Jetzt zum wöchentlichen Überblick über Programmpunkte, Zeitungsartikel, Neuigkeiten und alles, was wir mit Ihnen teilen wollen:

Programm

24. Januar, 16 Uhr

«Das Haus meines Geistes» von Old Masters

Eine Clique von drei Freund*innen hat es zu ihrer Spezialität gemacht, Dinge anders zu verwenden, als wir erwarten würden. Sie kreieren ein Panoptikum aus Bildern, Objekten und Visionen für neugierige Zuschauer*innen ab 4 Jahren. Mehr Informationen

25. Januar, 15 Uhr

Rita Roof – Kinderkonzertreihe

Die Zürcher Sängerin Rita Roof hat eine Ausnahmestimme mit Wiedererkennungswert. Das wissen die Stars der Schweizer Musikszene schon lange. So hat sie während gut zwei Jahrzehnten abseits des Rampenlichts einige der grössten Schweizer Hits mit ihrer Stimme veredelt, on stage und on record. 2024 meldete sie sich mit den Projekten «Härt verdient» und «So viel Platz» zurück ins Rampenlicht. Mehr Informationen

29., 30., 31. Januar

«Wen Keng We Meet? – On Connection» von RRRRRR Collective

Das euro-asiatische RRRRRR Collective, bestehend aus Keng Chen, Wen-Chi Liu, Dino Radoncic, Eneas Prawdzic, Nathalie Stirnimann und Stefan Stojanovic, geht der Frage nach, wie wir trotz der Wiederkehr von Grenzen, Spaltungen und geopolitischen Spannungen in Verbindung bleiben können. Mehr Informationen

Einen Überblick über das Programm 2025/26 finden Sie auf unserer Website.

Zeitung

«Was will ich eigentlich?»

Seit über 20 Jahren steht Rita Roof als Sängerin auf der Bühne – zu Beginn stets im Hintergrund, nie im Mittelpunkt der medialen Öffentlichkeit. Über ihren Weg zur Solokünstlerin und den Mut, sich Raum zu nehmen. Zum Beitrag

Wir wünschen Ihnen eine gute zweite Wochenhälfte

Ihr Team der Gessnerallee

Copyright: Hannah Gottschalk

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