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Wochenbrief

Zwischen Biografie und Bewegung

Drei Fragen an Regisseurin Monika Truong zu ihrem neuen Stück «Movements». Wochenbrief #69

Team Gessnerallee, 18. Februar 2026

Copyright: Michael Meili

Liebe Besucher*innen der Gessnerallee, liebe Künstler*innen

Mit «Movements» schafft Monika Truong eine Performance über Erinnerung, Widerstand und gemeinschaftliche Hoffnung. Das Stück verbindet persönliche Biografien mit kollektiven Erfahrungen und richtet den Blick auf Menschen, deren Geschichten gesellschaftliche Veränderungen möglich gemacht haben. Vor der Premiere am 4. März haben wir der in Zürich lebenden Regisseurin drei Fragen zum Stück gestellt.

Gessnerallee: In «Movements» werden anhand der Leben dreier kultureller Pionier*innen und international angesehener Aktivist*innen gesellschaftliche Veränderungen in ihrer Komplexität erforscht, gefeiert und hinterfragt. Was bedeutet es, mit realen Biografien zu arbeiten?

Monika Truong: Die Performer*innen sind in der Entwicklung dieser Arbeit Kompliz*innen. Wir teilen persönliche und gewinnen kollektive Erfahrungen. Entsprechend dem Leitsatz der Gleichstellungsbewegung «Das Private ist politisch» konnten wir in Gesprächen und Proben asymmetrische Machtverhältnisse aufdecken, die aus persönlichen Situationen entstehen und sich in persönlichen Erfahrungen widerspiegeln.

Ungleichheit ist als Resultat gesellschaftlicher Machtstrukturen zu verurteilen. Im Alltag ist sie jedoch oftmals sehr persönlich. Die realen Biografien spielen für «Movements» also eine Art Doppelrolle: Zainab J Lascandri, Salma Said und Steven Schoch bringen ihre Realitäten in die Entwicklung der Schichten und Spannungsmomente des Stücks ein und bringen sie radikal ehrlich auf die Bühne.

Am Ende scheitert Veränderung leider oftmals auch an den kleinen, persönlichen Hürden. Wenn wir heute neben vielen andern Krisen auch von einer Demokratiekrise sprechen, wird diese Auseinandersetzung zentral. Wie finden wir uns als freie, selbstbestimmte Individuen in fragmentierten Gesellschaften zurecht? Und wie bringen wir uns als mutige, verantwortungsbewusste Menschen in Bewegungen ein?

Welche Begegnungen oder Geschichten haben dich während der Arbeit an «Movements» besonders berührt?

Wir haben «Movements» immer wieder als eine Art rituelle Performance erlebt, die sich mit «Shout-outs» denjenigen zuwendet, die unsere Welten massgebend geprägt haben. Stimmen erhalten Raum, die in unserer Gesellschaft oft ungehört bleiben. Marginalisierte Geschichten werden gewürdigt und in ein Verhältnis zum kollektiven Diskurs gebracht. Am berührendsten war dabei die Aufarbeitung der Geschichten von Familien und Freund*innen der drei Performer*innen. Persönliche Erfahrungsberichte und Biografien verdeutlichen, wie Freund*innen inhaftiert, Familien auseinandergerissen und Menschen in die Flucht getrieben wurden. Die Wechselwirkung dieser beiden Sphären wurde zur entschlossenen Suche unserer Arbeit. Das gemeinsame Erinnern, Erzählen und Würdigen wird zum politischen Akt.

Zusammen mit dem Publikum möchtet ihr die oft übersehene und doch so wichtige Arbeit von Familie, Freund*innen, Nachbar*innen oder zufälligen Bekannten anerkennen. Die erwähnte Praxis der «Shout-outs» entstand während der Great-Migration-Bewegung in den USA und hat ihren Ursprung in afroamerikanischen Kirchen. Was sollen die Zuschauer*innen nach dem Abend mit nach Hause nehmen?

Migration überwindet geografische und kulturelle Grenzen und bringt neue Ausdrucksformen hervor. Die Weitergabe von persönlichen Liedern mit Texten über die Sklaverei, die in afroamerikanischen Kirchen gründet, hat die Musiklandschaft nachhaltig geprägt. Sie hat ein Gefühl von Zugehörigkeit und Identität für ganze Communitys geschaffen.

Wir wollen mit unseren «Shout-outs» zurück zu den Ursprüngen, wo deutlich wird, dass kollektive Erfahrungen und geteilte Geschichten zum Treibstoff gesellschaftlichen Wandels werden. Rechte und Errungenschaften, die heute für viele als selbstverständlich gelten, wurden von wenigen erkämpft. So sucht der Blick zurück nicht die Nostalgie, sondern die Motivation für die Bewegungen, die noch kommen – kommen müssen. Gemeinsam mit dem Publikum erfahren wir «Hoffnung als Praxis». Hoffnung ist kein passives Warten, sondern eine aktive Verpflichtung zum Weitermachen.

Sichern Sie sich jetzt Tickets für die Vorstellungen von «Movements» vom 4., 5., 6. und 7. März.

Jetzt zum Überblick über Programmpunkte, Zeitungsartikel, Neuigkeiten und alles, was wir mit Ihnen teilen wollen:

Programm

27. und 28. Februar, 2. und 3. März

«Collapse in 5 Acts: There Is Porn of It» von Simone Aughterlony

Zwischen Nebelschwaden, heruntergefallenen Rohren und zerbrochenen Denkmälern treffen sich rätselhafte Figuren: ein König, ein*e Erzähler*in, eine Fee der radikalen Art, Tourist*innen, Verwundete, ein Pferd, ein*e Architekt*in. Die neue Arbeit von Aughterlony setzt sich mit der Ästhetik des Zusammenbruchs auseinander und fragt danach, wie aus Trümmern neue Perspektiven entstehen können. Sichern Sie sich jetzt Ihre Tickets für die Premiere am Freitag, 27. Februar. Mehr Informationen

Copyright: Ali Haji

4. März, 19.30 Uhr

«Verdeckt unter Rechtsextremen» von CORRECTIV.Schweiz

Die momentan bekannteste rechtsextreme Organisation aus der Schweiz, die Junge Tat, lädt zwei AfD-Abgeordnete nach Kloten ein, um über «Remigration» zu sprechen. Ein Team von Journalist*innen aus Deutschland und der Schweiz wollte erfahren, was dort passiert. Doch wie kommen sie an diese Informationen? Erfahren Sie bei dieser Ausgabe der Gesprächsreihe «Monatsthemen», wie die Journalist*innen vorgegangen sind und was es für verdeckte Recherchen braucht. Mehr Informationen

Zeitung

Die Möglichkeit, die ganze Welt zu meinen

Im Format «Gedanke zu Theater» schreiben verschiedene Autor*innen über ihre «Gedanken zu Theater». Ein Beitrag von Schriftsteller*in Laura Leupi über grosse Gefühle, grosse Ängste und die Möglichkeit, die ganze Welt zu meinen. Zum Beitrag

Ausserdem

Zeitung Magazine feiert die Veröffentlichung ihrer sechsten Ausgabe im Stall6. Mit einer kuratierten Auswahl zeitgenössischer Künstler*innen, die in der Ausgabe vorgestellt werden, bietet diese Release-Veranstaltung Live-Auftritte von: Florence Sinclair, Baba Stiltz und Beaks und DJ-Sets mit Stephan Gilgenreiner und pr1nc1p3ss4. Jetzt Tickets sichern!

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Das Team der Gessnerallee

Copyright: Hannah Gottschalk

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