Welche Elemente sind für Ihre Performance wichtig?
Ich habe mich für «Epique! (for Yikakou)» auf repetitive Elemente konzentriert, auf Wiederholung. In dieser Wiederholung liegt eine gewisse Spiritualität: Sie verwandelt den Körper, den Raum.
In Ihrem Stück verkörpern Sie eine Reihe weiblicher Figuren ‒ aus der eigenen Familie oder aus der Mythologie. Welche Rolle spielen diese Figuren in Ihrem Stück?
Ich wollte mich auf die Suche nach den starken Frauen machen, die im kollektiven Gedächtnis keinen Platz finden. Gbahihonon, meine Ururgrossmutter, hat mir ihren Namen vermacht, der so viel bedeutet wie: «jene, die sagt, was sie sieht». Sie war eine starke Frau, die die Gemeinschaft vor physischen und mystischen Angriffen verteidigte. Ich wollte das Gewicht dieses Namens mit dem Körper spüren, den ich heute habe. Eine weitere Figur ist Dô-Kamissa, «die Büffelfrau», eine der zentralen Held*innen im Epos von Sundiata Keïta [der erste Herrscher des Königreichs Mali; Anm. d. Red.]. Sie hatte die Geburt von Sundiata vorhergesagt. Sogolon Kondé, «die hässliche Frau», die den König heiratet, fasziniert mich eben- falls. Ich fühle mich von solchen Figuren angezogen, weil man das, was am Rande steht, oft nicht beachtet. Ich trage die Stimmen dieser Frauen in mir, durch sie sind die Bilder des Stücks entstanden.
Ihr Stück fühlt sich eher nach einem Ausgangsals einem Schlusspunkt an: Ich stelle mir vor, dass es für die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunftsgeschichte wohl nie ein Ende gibt.
Es ist eine lange Reise, ein intensiver Prozess, mit dieser Realität konfrontiert zu werden, mit diesem verschwundenen Dorf. Vielleicht ist das Stück auch eine Initiationsreise. Während der Recherche ist viel Material entstanden: die filmische und fotografische Dokumentation vor Ort, die Erinnerungen. Das könnten mögliche Anknüpfungspunkte sein. Es geht um Dauer, um Kontinuität.
In den letzten Stücken haben Sie hauptsächlich als Choreografin gewirkt. Weshalb stehen Sie bei «Epique! (pour Yikakou)» nun auch als Tänzerin auf der Bühne?
Es ist mein zweites Solo, dreizehn Jahre nach «Quartiers Libres». Ich verwende das Wort Solo, obwohl ich nicht allein auf der Bühne stehe: Es ist eine sehr persönliche Reise dorthin, wo ich herkomme. Ich verhandle, was mir jene mitgegeben haben, die vor mir kamen, und das, was ich jenen hinterlasse, die nach mir kommen werden. Es wäre schwierig – und vielleicht auch ungerecht – gewesen, dieses Gewicht jemand anderem aufzubürden.