«Die Neue Unsicherheit» ist ein Experiment für einen «Safer Space für Unsicherheit». Gemeinsam mit ihren Gäst*innen sucht die Zürcher Künstlerin Fatima Moumouni in dieser Reihe nach Gesprächsmomenten, die ehrlich, nachdenklich, selbstkritisch und unbedingt unsouverän sein dürfen. Nicht die perfekte Position steht im Zentrum, sondern die Bereitschaft, sich irritieren zu lassen, Widersprüche auszuhalten und öffentlich gemeinsam zu denken.
Denn gerade in progressiven Diskursen gibt es – nahezu per Definition – noch viel zum Weiterdenken, abseits des jämmerlich reaktionären «WAS DARF MAN DENN HEUTE ÜBERHAUPT NOCH SAGEN!?», in dem die gesellschaftliche Aushandlung um Sprache, Identitätspolitik und Gleichstellung oft gefangen ist.
Für die laufende Love Edition richtet sich der Blick auf die Liebe: als Gefühl, als Praxis, als politische Kraft, Motor für Veränderung und als Projektionsfläche für Cringe und Kitsch.
Thema dieser Ausgabe: «Zwischen Positionierung und Polarisierung»
Zweieinhalb Jahre live gestreamter Genozid in Gaza. Was macht das mit uns? Zwischen Wut, Trauer, Tatendrang, Angst, Verzweiflung und Hilflosigkeit hat sich die Polarisierung verschärft, und Gesprächsräume haben sich geschlossen.
Was bedeutet es, als Kunstschaffende verantwortungsvoll mit gesellschaftlicher Abstumpfung, Krisen und Gewalt umzugehen? Autorin und Moderatorin Fatima Moumouni und Tanz- und Theaterschaffende Donya Speaks sprechen darüber, was es bedeutet, die eigene Positionierung in die künstlerische Arbeit einfliessen zu lassen, über Mechanismen der Selbstzensur, des Rückzugs, der Abwehr, sowie über Aktivismus zwischen Bekennungsdruck und Cancelgefahr. Und darüber, welche Rolle antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus in ihren Auseinandersetzungen spielen.
Zu Gast in dieser Ausgabe: Donya Speaks
Donya Speaks ist Tanz- und Theaterschaffende aus Bern und Tunis. In ihrer künstlerischen Praxis schafft sie einen lebendigen Dialog zwischen Sprache und Körper und deren Verschränkungen. In «Bis zum Ende des Regens / إلى آخر المطر» widmete sie sich der arabischen Poesie ihres Onkels sowie der Bewegungsfreiheit zwischen Nordafrika und Europa. In «POETIK P» entwickelte sie gemeinsam mit Künstler:innen aus der Schweiz, Ruanda und dem Kongo ein Gespräch über Sexualität(en) und die fortwirkende Sexualisierung ihrer Körper. Ihre erste Solo-Performance «Fête Finale 2.0» kommt im Herbst 2026 in der Dampfzentrale auf die Bühne. Darin widmet sie sich der Sprache rund um Sterblichkeit. Aktuell ist sie mit Fatima Moumouni Teil des Förderprogramms Dance et Dramaturgie. Mit Hannan Salamat entwickelt sie eine Lecture Performance zu antimuslimischem Rassismus. Sie tanzt im Stück «Turn On» von Soraya Leila Emery (Premiere Tanzhaus ZH 2024), machte bei «180° – Performing Rage» die Regie (Treibstoff Basel 2025) und spielt bei Tim Zulaufs neuer Produktion «Fliegende Gärten» mit (Fabriktheater Juni 2026). Davor arbeitete Donya u. a. mit dem katalanischen Choreografen Andres Corchero in Les Flors, Barcelona, der Theaterkompanie Das Letzte Kleinod in Deutschland und Südafrika, mit Izidora Lethe und Isabel Lewis sowie mit The Grey Stories in Deutschland, Bosnien und Ruanda. Donya studierte an der Accademia Dimitri, der Justus-Liebig-Universität Giessen und der Zürcher Hochschule der Künste.