«Die Neue Unsicherheit» ist ein Experiment für einen «Safer Space für Unsicherheit». Gemeinsam mit ihren Gäst*innen sucht die Zürcher Künstlerin Fatima Moumouni in dieser Reihe nach Gesprächsmomenten, die ehrlich, nachdenklich, selbstkritisch und unbedingt unsouverän sein dürfen. Nicht die perfekte Position steht im Zentrum, sondern die Bereitschaft, sich irritieren zu lassen, Widersprüche auszuhalten und öffentlich gemeinsam zu denken.
Denn gerade in progressiven Diskursen gibt es – nahezu per Definition – noch viel zum Weiterdenken, abseits des jämmerlich reaktionären «WAS DARF MAN DENN HEUTE ÜBERHAUPT NOCH SAGEN!?», in dem die gesellschaftliche Aushandlung um Sprache, Identitätspolitik und Gleichstellung oft gefangen ist.
Für die laufende Love Edition richtet sich der Blick auf die Liebe: als Gefühl, als Praxis, als politische Kraft, Motor für Veränderung und als Projektionsfläche für Cringe und Kitsch.
Die Themen dieser Ausgabe: «Loving white people» und «Mit Rechten reden»
Was bedeutet es in einer weissen Gesellschaft aufzuwachsen? Und was bedeutet es, als migrantisierte, rassifizierte Person von weissen Menschen umgeben zu sein? Was heisst es, weisse Menschen zu lieben – im familiären, freundschaftlichen und romantischen Sinn? Und dann geht es um das ewige Thema «Mit Rechten reden»: Wie viel Liebe braucht antirassistischer Diskurs, mit wem müssen wir reden und wo setzen wir Grenzen?
In dieser Ausgabe zu Gast: David Zabel
David Zabel ist in den 1990er Jahren in Ostdeutschland, in den von rechter Gewalt geprägten «Baseballschläger-Jahren» aufgewachsen. Er ist Kulturvermittler, Bildungsinnovator und Afrofuturismus-Forscher. Seine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst, Bildung und gesellschaftlichem Wandel. Als Beiratsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. und Vorsitzender des Kulturbeirats der Stadt Kassel setzt er sich für kulturelle Teilhabe und eine stärkere Sichtbarkeit marginalisierter Perspektiven ein. Zudem engagiert er sich bei Roots Against Racism in Sports e.V., wo er Bildungs- und Empowermentformate entwickelt, die sich mit Rassismus im Sport auseinandersetzen und neue Perspektiven auf Sportkultur eröffnen.
Inhaltlich beschäftigt sich David seit vielen Jahren mit Afrofuturismus und den Zukunftsentwürfen Schwarzer Science-Fiction-Autor*innen wie Octavia E. Butler oder Nnedi Okorafor. Er versteht Afrofuturismus als Werkzeug, um neue gesellschaftliche Vorstellungen zu entwickeln und Räume für Imagination, Empowerment und Dialog zu schaffen. Mit Lecture Performances wie «Ihr Erstkontakt mit postkolonialen Ausserirdischen» und «Copagand» bringt er diese Themen in Kultur- und Bildungsinstitutionen ein und verbindet popkulturelle Analyse mit politischer Bildungsarbeit. Seine Formate laden dazu ein, vertraute Bilder und Narrative kritisch zu hinterfragen und neue Perspektiven auf Gesellschaft, Macht und Zukunft zu entwickeln.