Saisonstart 2026/27
«SYNTHETIC / Artefact»
Tiran Willemse
Eine choreografische Arbeit, die ausgehend von der Puppe als Figur des europäischen Balletts und Theaters sowie als spirituellem Objekt eine imaginäre Welt entstehen lässt. Von und mit Davide-Christelle Sanvee, Élie Autin, Ophelia Young und Elisabeth Mulenga.
Do. 10.09.20:00–21:45
Premiere mit anschliessendem Apéro
Halle
Restkarten an der Abendkasse
Fr. 11.09.20:00–21:45
Halle
Mo. 14.09.20:00–21:45
Halle
Di. 15.09.20:00–21:45
Halle
- Nicht sprachbasiert
Im Zentrum von «SYNTHETIC / Artefact» steht die Figur der Puppe. Über Kulturen und Jahrhunderte hinweg wurden Puppen geschaffen, um betrachtet zu werden – reglos und dem Blick ausgesetzt. Gleichzeitig sind sie in verschiedenen Kulturen Teil von Geburts- und Übergangsritualen und erfüllen spirituelle und gemeinschaftliche Funktionen. Mit dem Beginn der industriellen Massenproduktion wird dieses Verhältnis unruhig. Sind diese Objekte, die uns in grosser Anzahl umgeben, selbst lebendige Wesen? Werden wir zu ihnen – oder sie zu uns? Diese Ängste haben sich seither nicht nur beschleunigt, sondern auch normalisiert: Wir begegnen unseren Avataren in den sozialen Medien, drücken unsere Gefühle durch GIFs und Memes aus und finden unsere «Stimme» über KI-Chatbots.
Mit zahlreichen Referenzen – von Erzählungen wie «Pinocchio» bis zu Oskar Schlemmers «Triadischem Ballett» – tanzt «SYNTHETIC / Artefact» durch die Geschichten unseres Verhältnisses zu Puppen.
Tiran Willemse gilt als einer der Shootingstars der zeitgenössischen Tanzszene, seine Arbeiten touren international. Zum Saisonstart der Gessnerallee präsentiert er mit «SYNTHETIC / Artefact» seine erste Gruppenchoreografie von und mit den brillanten Performer*innen Davide-Christelle Sanvee, Élie Autin, Ophelia Young und Elizabeth Mulenga. Willemse hat einen Hintergrund im Ballett sowie eine Ausbildung bei P.A.R.T.S – School for Contemporary Dance in Brüssel. Auf Empfehlung der befreundeten lokalen Künstler*innen Annina Machaz und Nils Amadeus Lange absolvierte er einen Master in Experimental Theater an der HKB in Bern. Willemse fand eine Wohnung in Zürich und zog in die Schweiz. In Zürich verspürt er mehr als an anderen Orten die Freiheit, experimentell und humorvoll arbeiten zu können.
Bewegungsvokabular: In «SYNTHETIC / Artefact» entwickelt der Künstler und Choreograph Tiran Willemse ausgehend von seiner über Jahre gewachsenen Bewegungspraxis eine Choreografie für sich und die Tänzer*innen Davide-Christelle Sanvee, Élie Autin, Ophelia Young und Elisabeth Mulenga. Die Bewegungen der Tänzer*innen entstehen aus Improvisation, rituellen Praktiken und konzeptionellen Überlegungen. Diese entstehen einerseits entlang der Figur der Puppe in der Moderne und andererseits entlang ihrer ritualistischen Bedeutung in indigenen Praktiken sowie den ästhetischen und inhaltlichen Überschneidungen dieser beiden Felder. Die Bewegungen der Körper in «SYNTHETIC / Artefact» können ruckartig und explosiv sein und dabei unkontrolliert wirken. Die Gesichter der Tänzer*innen sind teilweise zu extremer Mimik verzogen. Willemse wählt diese Bewegungen, um eine zugespitzte Mechanisierung des Körpers zu zeigen. Gleichzeitig sind die Posen und Bewegungen als Referenz auf die rassistischen Minstrel Shows in den USA in den 1930- und 40er Jahren lesbar und laden zu einer Reflexion der Rolle von rassifizierten Körpern in der Tanz- und Theatergeschichte ein. Die Momente der unkontrolliert wirkenden Gestik und Mimik können ebenfalls an die lange Geschichte der ableistischen Darstellung von psychischer Krankheit und Behinderung im Tanz und anderen künstlerischen Ausdrucksformen (Cripping Up) erinnern.
Barrierefreiheit und praktische Informationen
Stufenloser Zugang
Dauer: 105 Minuten, inklusive 15 Minuten Pause nach 45 Minuten
Sprache: Das Stück ist nicht sprachbasiert.
Content Notes (Inhaltshinweise): Aneignung rassistischer Stereotype (Minstrel-Show-Ästhetik, tierähnliche Laute, Grimassen); Tänzerische Auseinandersetzung mit der Figur der Puppe in indigenen Ritualpraktiken sowie im Kontext der historischen Moderne; Darstellung repetitiver, ruckartiger und unwillkürlich anmutender Bewegungen, die körperliche Behinderungen evozieren können (Cripping Up); Gestik, Mimik und Bewegungsmaterial zur Darstellung veränderter Bewusstseinszustände
Licht: Einsatz von stroboskopartigen Blitz-Effekten. In wenigen Szenen potenziell blendendes, oranges Licht; Das intensive Licht kann insbesondere auf den Sitzsack-Plätzen in der vordersten Reihe blenden. Es gibt einen etwa einminütigen Blackout während des Stücks. Das Stück endet mit einem abrupten Blackout.
Sound: Einsatz lauter, rhythmischer, elektronischer Musik mit vibrierenden Bässen. Einige Teile der Performance sind sehr still. Die Performer*innen rufen in mehreren Szenen in den Raum, in einzelnen Szenen auch in Richtung des Publikums.
Publikum und Interaktion: Die Performer*innen sitzen zeitweise im Publikum. Sie sitzen in der vordersten Reihe aussen rechts sowie auf der Treppe der linken Tribünenseite. Die Performer*innen bewegen sich mehrmals kurz sehr nah an der vordersten Reihe.
Sitzsack- und Rollstuhlplätze: Die Sitzsack- und Rollstuhlplätze in der linken Hälfte der vordersten Reihe befinden sich in einem Bereich, in dem sich die Tänzer*innen nicht in unmittelbarer Nähe zum Publikum bewegen.
Anderes: Die Türen zum Innenhof werden in der Pause geöffnet.
Da die Produktion aktuell erarbeitet wird, werden weitere Informationen zur Barrierefreiheit der Show bis zum Tag der Premiere laufend ergänzt.
Bei ausverkauften Vorstellungen halten wir ein kleines Kontingent an barrierefreien Plätzen (Rollstuhlplätze & Sitzsäcke) zurück. Wir bitten Personen mit Barrierefreiheitsbedarfen sich an kasse@gessnerallee.ch zu wenden.
«SYNTHETIC Artefact » ist Englisch.
Man spricht es so aus: Sin-thetik Artefakt.
Auf Deutsch heisst es: Synthetisches Artefakt.
Oder: künstlich hergestelltes Objekt.
Das Tanz-Stück spielt in der Vergangenheit.
Aber es spielt auch in der Zukunft.
Das Stück beschäftigt sich mit Puppen.
Es schaut auf die Geschichte des europäischen Balletts und Theaters.
Das Stück schaut auch auf Tänze aus Afrika und Asien.
In all diesen Tänzen gibt es die Figur der Puppe.
Das Stück untersucht:
Was bedeutet die Puppe im Tanz und Theater?
Das Stück zeigt:
Körper sind keine Gegenstände.
- Konzept, Choreographie & Performance:Tiran WillemseEnsemble:Davide-Christelle Sanvee, Élie Autin, Ophelia Young, Elizabeth MulengaMusik:Tobias KochDramaturgie:Andros Zins-BrowneChoreografische Beratung:Laurent ChétouaneLicht Design:Ryoya FudetaniLichttechnik:Max Windisch-SpoerkStyling Beratung:Alice LushimaText:Theo CascianiProduktion:Kelly TukeIn Koproduktion mit:Gessnerallee Zürich, Arsenic Lausanne, Kaserne Basel, Pavillon ADC Geneva, Tanzquartier Wien
Eine Koproduktion im Rahmen des Veranstaltungsfonds von Reso - Tanznetzwerk Schweiz. Unterstützt durch Pro Helvetia und die Kantone.
Tiran Willemse ist ein interdisziplinärer, kollaborativer Künstler, der in den Bereichen Tanz, Theater, Video und Performance mit Trajal Harrell, Jerome Bel, Ligia Lewis, Wu-Tsang (moved by the motion), Deborah Hay, Eszter Salamon, Meg Stuart und Andros Zins-Browne zusammenarbeitet. Willemses Arbeit konzentriert sich auf die Auseinandersetzung mit Präsenz und Abwesenheit in der Inszenierung von Identität, er ist bestrebt, durch eine viszerale Erfahrung neue Sehnsüchte in der Vorstellungskraft zu wecken. Seine Arbeiten wurden im Palais de Tokyo Paris, im Musée cantonal des Beaux-Arts Lausanne, im Museum Macro Rom, bei Impulstanz Wien, beim Santarcangelo Festival in Italien, im Kunsthaus Baselland, im Tanzquartier Wien, im Swiss Institute New York und im Arsenic Lausanne präsentiert. Willemse gewann den Schweizer Performance-Preis 2023 und lebt und arbeitet in Zürich.
Davide-Christelle Sanvee (1993, Schweiz / Togo) ist eine Performancekünstlerin, deren Schwerpunkt auf Räumen und Inszenierungen liegt. Sie setzt sich mit der Unsichtbarkeit des Einzelnen im öffentlichen Raum auseinander und sucht nach architektonischen, verhaltensbezogenen und gestischen Elementen, um Szenografien zu schaffen, die ihre Zuschauer vollständig einnehmen. Um diese neuen Räume zu aktivieren, bedient sich Sanvee des historischen und kollektiven Gedächtnisses sowie performativer Aktionen, die sich an politischen und sozialen Realitäten orientieren. Nach einem Bachelor-Abschluss in Bildender Kunst an der HEAD in Genf (2016) erwarb sie ihren Master-Abschluss am Sandberg-Institut in Amsterdam (2019). Mit ihrer Performance «Le ich dans nicht» gewann sie den Swiss Performance Award 2019. Im Jahr 2022 schloss sie sich als Performerin Rébecca Chaillons Projekt «Carte Noire named desire» an. Im Jahr 2023 erhielt sie den Kiefer-Hablitzer-Kunstpreis im Rahmen der Swiss Arts Awards an der Art Basel. Im selben Jahr wurde ihr ein Stipendium der Leenaards-Stiftung gewährt. Im Jahr 2025 wurde ihr für ihr Lebenswerk der Swiss Performing Arts Award verliehen.
Élie Autin ist eine multidisziplinäre Künstlerin, die in verschiedenen künstlerischen Bereichen tätig ist: Choreografie, Performance und bildende Kunst. Ihr erstes Solostück, «Présage», feierte im Herbst 2022 im Arsenic Premiere. Darin stehen ihre fliessenden Identitäten in direktem Wechselspiel mit den Blicken des Publikums. Als Performerin und Tänzerin arbeitet Élie mit einer Reihe von Künstler*innen zusammen, darunter Tamara Alegre, caner teker, Tiran Willemse, Volmir Cordeiro, Marvin Mtoumo, das Kollektiv Ouinch Ouinch, Natasza Gerlach und weitere Künstler*innen. 2023 erhielt sie den «Prix de la relève» von der Fondation vaudoise pour la culture. 2026 gewann sie im Rahmen der Swiss Art Awards den Kiefer-Hablitzel-Göhner-Kunstpreis. Als Model und Fotomodell tritt sie regelmässig auf und posiert für verschiedene Künstler*innen und Marken, darunter Dior für DAZED. Parallel dazu entwickelt die Künstlerin auch ihr bildendes Schaffen weiter, mit Ausstellungen im Circuit (Lausanne), bei Amore (Basel), im Hamlet (Zürich) und bei La Rada (Locarno), im WallStreet (Freiburg), im MCBA (Lausanne), bei Like Little Disaster (Polignano a Mare), in La Becque (La Tour-de-Peilz) sowie an weiteren Orten.
Ophelia Young (sie/ihr) arbeitet als Tänzerin und Choreografin im Bereich der darstellenden Künste. Sie studierte an der Folkwang Universität der Künste in Deutschland und war an Institutionen wie dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch und dem Ballett Basel tätig. Seit vielen Jahren arbeitet sie zudem freiberuflich an projektbezogenen Kooperationen in den Bereichen Tanz, Choreografie, Tanzschulen, darstellende und bildende Kunst sowie Film. Sie unterrichtet, tritt auf und kreiert im Rahmen verschiedener Kooperationen in der Schweiz und im Ausland. Ophelia lebt in Basel. Sie wurde in New York City (USA) geboren und wuchs in Oberösterreich auf.
Elizabeth Mulenga ist eine in London ansässige Choreografin und Tänzerin und ehemalige Teilnehmerin des Sadler’s Wells Young Associate-Programms. Sie schafft provokative, autobiografische Werke, in denen sie Themen wie Trauer, dysfunktionale Intimität und Hauntologie untersucht. Beeinflusst durch ihre christlich-pfingstliche Erziehung, umfasst ihre künstlerische Praxis Übernatürliches, Rituale und das Gefühl ständiger Überwachung. Ihr jüngstes Werk, «Christ Alone», feierte 2024 im Sadler’s Wells Theatre Premiere und wurde 2025 am Royal Opera House wiederaufgeführt. Im Jahr 2022 gewann sie den Choreographic Innovation Award beim BBC Young Dancer Grand Final. Sie hat Solos an Veranstaltungsorten wie dem Roundhouse, dem Place Theatre und dem Cafe Oto aufgeführt. Elisabeth ist in den Bereichen zeitgenössischer Tanz, kommerzielle Kunst und Performancekunst tätig. Zu ihren Performances für andere Künstler und Ensembles zählen: Holly Blakey, Miles Greenberg, das Marina Abramović Institute, Alison Goldfrapp, Clod Ensemble, Miley Cyrus x Lost City Immersive, Pepa Ubera, Magnus Westwell, Tiran Willemse, Ryan Heffington, Wolf Alice, Robyn, Yann Tiersen, Sampha, Harry Price, Later with Jools Holland, Boston Gallacher, Dickson MBI, Lewis Walker, Ivan Michael Blackstock und Russell Maliphant.Stadt Zürich, Kanton Zürich, Pro Helvetia, Schweizerische Interpretenstiftung SIS, Landis & Gyr Stiftung, Ernst Göhner Stiftung
Copyright: Hannah Gottschalk
Copyright: Hannah Gottschalk
Mehr Veranstaltungen
- Mi. 16.09.17:30Freier Eintritt
- Sa. 19.09.20:00
«YOU CANNOT CAN»Dana Michel
Mit Einführung um 19.15 Uhr im Bistro des HallenbadsPerformanceSite-specificNicht sprachbasiert